Die Brennerbande, Teil 07


Sie machten erst wieder halt, als ihnen das Gewirr im Tempelbezirk keine andere Wahl mehr ließ.

Der Tempelbezirk, ein Überbleibsel einer heidnischeren Zeit, als die Menschen noch viele Götter verehrten und gleichzeitig ein Zeichen für die Bedeutung der Stadt, in der sie lebten, denn mit dem Handel, den Kriegen und den Kolonien waren auch die Flüchtlinge gekommen, die ihre Götter verehren wollten und vom Senat der Stadt auch das Recht dazu erhalten hatten. Warum man jedoch diesen Heiden die Erlaubnis dazu erteilt hatte, dass konnte sich keiner der Feldstrassler erklären. Und die sonntäglichen Predigten der Priester Hetradons und die harschen Worte ihrer Eltern festigten ihre Meinung nur noch.
Jeder konnte hier einen Schrein eröffnen und seinen Glauben predigen, solange er nicht über die Staatskirche her zog oder seine Reden zu offensichtlich blasphemisch wurde. Auf den Strassen hieß es, dass man allerdings hier nicht mit Zauberwerk zu glänzen versuchen sollte, da man angeblich sonst in den Arbeitslagern oder in einem der Abwasserkanäle landete.

Es gab einige antike Tempel der alten Götter, die hier schon immer gestanden hatten und die die Könige selbst in der Zeit, als man dem Königshaus nachsagte, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, nicht schleifen ließ. Es waren aber vor allem die jungen, charismatischen Männer und Frauen, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Viele Xpochler kamen hierher und ließen sich einfach von den offensichtlich Irrgläubigen amüsieren und manch ein Prophet fand sich schnell als Ziel des allgemeinen Spottes wieder. Andere Einwohner suchten tatsächlich nach etwas, dass sie im Glauben an Hetradon nicht finden konnten. Vielleicht Erleuchtung, vielleicht Frieden, vielleicht auch so etwas wie Verständnis und Zuwendung.

Warum die Könige gegen den Willen der Priesterkonklave diese heidnischen Bräuche erlaubten, ja scheinbar sogar förderten, verstanden weder die Kinder aus der Feldstrasse noch ihre Eltern. Sie mieden für gewöhnlich diesen Bezirk. Um jedoch Verfolger abzuschütteln, konnten sie keine geeignetere Strecke zurück in die Neustaadt nehmen. Nicht, dass sie das Gedränge hier gemocht hätten. Sie hatten die Taschen voll mit dem Lohn, den Mütter und Väter ihnen gelassen oder die sie vor ihnen verheimlicht hatten. Sie hatten ihre guten Klamotten an und keinem von ihnen war daran gelegen, das eine zu verlieren und das andere ruiniert zu bekommen. Hinzu kam, dass die beiden kleinen zwar scheu alles betrachteten, dennoch neugierig genug waren, an irgend einer Ecke stehen zu bleiben, um sich eines der vielen Wunder zu betrachten, mit denen die Propheten versuchten, Gläubige zu gewinnen.

Die Großen hatten daher alle Hände voll zu tun, die Kleinen mit sich zu ziehen und mit der freien Hand ihr Hab und Gut zu schützen.

Vor ein paar Jahren hatten sie ein paar Mal versucht, sich ein kleines Zubrot zu verdienen, indem sie die Taschen einiger Bürger erleichterten. Sie hatten allerdings schnell gemerkt, dass, gleichgültig, welcher Bande der Tempelbezirk tatsächlich gehören mochte, die kleinen Diebe aus Sumpf und Feld ihn als Revier für ihre Raubzüge betrachteten und ihn gegen Konkurenz zu verteidigen wußten. Nach ihrem dritten Versuch war Walmo mit gebrochener Nase, Tiscio mit einer verstauchten Hand und sie alle mit vielen blauen Fläcken nach Hause gehumpelt.

Auch jetzt konnten sie, wenn sie darauf achteten, Ingenkinder sehen, die sich aber von den grimmigen Gesichtern der Feldstraßler abschrecken ließen.

Die Kinder aus der Feldstrasse