Herr Elker, Teil 03


"Ist es nicht ein schöner Tag? Man wünschte, gleich auf dieser Bank sitzen bleiben zu können. Der Saal erscheint um ein vielfaches stickiger, wenn man hier draußen gesessen hat."
Herr Elker lehnte sich noch weiter zurück, wenn dies überhaupt möglich war, schlug seine Hände vorm Bauch zusammen und nickte bedächtig: "Mhm, Mhm." Mehr war nicht aus ihm herauszubekommen, obwohl seine Gedanken nicht so träge waren, wie er selbst erscheinen mochte. Wenn der Graf sich über das Wetter unterhalten wollte, dann wusste er nicht, wie er am besten beginnen sollte.
"Ich habe gehört, dass sie auch gerne hier draußen sitzen?"
Wieder nur ein träges "mhm, mhm". Herr Elker genoss es, den jungen Schnösel warten zu lassen. Eine Zeit lang blieb es still.
"Ach, bei Veshna." Graf Frissen schlug mit der flachen Hand auf die Bank. Selbst in Xpoch, wo der glaube an Hetradon seit Jahrhunderten das Denken der Bevölkerung bestimmte, wurden die alten Götter immer wieder in Ausbüchen angerufen. "Herr Elker, ich will nicht um den heißen Brei herum reden. Wie sie sicher wissen, versuche ich etwas für diese Stadt zu tun und die Wirtschaft zum Nutzen aller voranzutreiben." Herr Elker wusste sehr wohl, was der Grafensohn tat und wer letztendlich davon profitieren würde, aber er beharrte auf seiner Trägheit und quittierte diesen Satz erneut mit einem schlichten, stumpfen Nicken.
"Und ich bin mir sicher, dass ihnen ihr Einfluss im Senat bewusst ist." Der alte Gildenmeister konnte sich gerade noch davon abhalten, ein weiteres Mal zu nicken. Stattdessen legte er diesmal den Kopf fragend zur Seite und wandte ihn träge in Richtung seines Gesprächspartners.
Der Graf warf einen ernsten Blick auf das Gesicht seines Gegenübers bevor er die Augen wieder abwandte.
"Ich will sie keineswegs zu irgendetwas drängen. Sie sind ein integerer Mann, der sein Klientel nach bestem Wissen und Gewissen vertritt." Als Graf Nedbert Luft holte, konnte Herr Elker deutlich die Theatralik darin hören. "Aber ihnen muß bei all ihrer Ruhe und Gutmütigkeit auch immer im Gedächtnis geblieben sein, dass ihr verehrtes Klientel zwar sichtbar in Xpoch ist, jedoch ohne große Bedeutung für das eigentliche Wohlergehen der Stadt oder des Imperiums."
Herrn Elkers Abneigung gegen den Grafen wuchs mit jedem Wort, dass jener sprach. Er konnte sich schon vorstellen, was als nächstes kommen würde, denn ihm war diese Art der Verhandlung wohl vertraut. Erst geringschätzte man den Gesprächspartner, um ihm anschließend einen Vorschlag zu unterbreiten, der ihm helfen würde, aus dieser Minderwertigkeit zu entfliehen.
"Ich kann ihnen und den ihren jedoch einen Ausweg anbieten. Wie ich bereits sagte, will ich die Wirtschaft in unserer schönen Stadt vorantreiben, damit wir unseren Vorsprung vor der Welt aufrecht erhalten können und der Wohlstand gedeiht. Für dieses Unterfangen suche ich zuverlässige Mitstreiter, die meine - unsere Vorhaben unterstützen."
Er blickte streng aber nicht unfreundlich in das Gesicht seines älteren Gegenübers, welcher nicht umhinkonnte leise zu glucksen. Zu lächerlich war das Verhalten des jungen Grafen ihm gegenüber, gerade so als wäre er der gütige Lehrer, der einem ungezogenen Schüler eine wichtige Lektion erteilen wollte. Sein Glucksen musste auf die unweit Umstehenden gewirkt haben, als wenn er aufstoßen würde. Nicht fein, aber zu seiner stillen Befriedigung zuckte der Grafensohn leicht aber merklich zurück. "Verzeiht, meine Frau hat wohl etwas zubereitet, was mir abkömmlich war." Die brummige Entschuldigung erheiterte Senator Reepweg, ein alter Freund Herrn Elkers, der gerade die Treppen hinauf ging. Der Patrizier aus altem Geschlecht kannte den Gildenmeister schon seit Jahren und teilte mit ihm viele Meinungen, wusste aber auch genau, was ein Glucksen des alten Herrn zu bedeuten hatte.
Graf Frissen bemerkte den lächelnden Patrizier und musste feststellte, dass es ihn irritierte.

Herr Elker